Retail

Der Begriff Retail kommt aus dem englischen (retail = Einzelhandel) und wird in unterschiedlichen Branchen als Fachbegriff verwendet. So versteht die Bankenindustrie unter dem Begriff „Retail Banking“ das standardisierte Privatkundengeschäft. In der Immobilienbranche weist dieser Begriff eine andere Bedeutung auf. Als Retail oder Retail-Immobilien werden hier Handelsimmobilien bezeichnet. Darin vertreibt der sogenannte stationäre Handel sein Warenangebot. Handelsimmobilien werden nach Größe und Standort unterschieden. Bei der Größe wird nach kleinteiligen (z.B. klassischer Laden) und großteiligen Handelsflächen (z. B. Einkaufszentrum) unterschieden. Standorte werden differenziert nach Innenstadt, Stadtrand, Stadtteilzentrum oder „grüne Wiese“.1 Neben der Unterscheidung nach Größe und Standort werden Handelsimmobilien auch nach deren Betriebsform unterschieden. So treten sowohl solitäre Betriebsformen auf, die räumlich unabhängig von anderen Einzelhandelsbetrieben sind, als auch Verbundformen.

 

Zu den solitären Betriebsformen gehören:

  • Lebensmittel-SB-Geschäfte und SB-Märkte: Lebensmittel-Selbstbedienungs-Geschäfte mit i.d.R. weniger als 200 m² Verkaufsfläche (Geschäfte, z. B. Tante-Emma-Läden, Dorfläden) und von 200 – 400 m² (Märkte, z. B. kleine, meist innerstädtische Supermärkte, z. B. Rewe City).
  • Supermärkte: Lebensmittelgeschäfte mit i.d.R. 400 – 1.500 m² Verkaufsfläche (z. B. EDEKA, REWE).
  • Verbrauchermärkte: Selbstbedienungsläden mit i.d.R. 1.600 – 4.000 m² Verkaufsfläche und einem Non-Food-Anteil von 40 – 45 %.
  • SB-Warenhäuser: Große Selbstbedienungsläden mit mindestens 5.000 m² Verkaufsfläche und hohem Angebot an Ge- und Verbrauchsgütern (z. B. real, toom).
  • Lebensmitteldiscounter: SB-Geschäfte mit niedrigem Preisniveau und eingeschränkter Sortimentstiefe und -breite bei einer Verkaufsfläche zwischen 650 – 950 m² (z.B. Aldi, Lidl, Norma).
  • Fachgeschäfte: beratungsintensives, anspruchsvolles Sortiment auf i.d.R. kleinen Flächen (z. B. Bäckereien, Vinotheken, Fotoläden).
  • Fachmärkte: großflächige Fachgeschäfte (z. B. Baumärkte, Möbelmärkte).
  • Kaufhäuser: großflächige, breit und tief aufgestellte Branchengeschäfte (z. B. Kleidung) mit hoher Beratungs- und Serviceintensität (z. B. C&A).
  • Warenhäuser: großflächige Kaufhäuser mit breitem, aber wenig tiefem Produktsortiment. Der Produktfokus liegt auf Kleidung, Schuhen und Haushaltswaren (z. B. Karstadt, Kaufhof).

 

Zu den Verbundformen gehören:

  • Einkaufszentren bzw. Shopping-Center: Agglomeration unterschiedlicher Handels- und Dienstleistungsbetriebe innerhalb einer sehr großen Immobilie.
  • Themencenter: Branchenmix mit Konzentration auf ein bestimmtes Thema (z. B. Mode, Technik, Lebensmittel, Möbel).
  • Galerien/Passagen: baulicher Komplex, der wie eine Passage i.d.R. Straßenzüge miteinander verbindet und unterschiedliche Einzelhandelsbetriebe geringer oder mittlerer Größe unter einem Dach zusammenfasst (Spezialform von Einkaufzentren).
  • Factory-Outlet-Center: Agglomeration von Einzelhandelsbetrieben in Grüne-Wiese-Standorten, die durch die Hersteller selbst betrieben werden und entsprechend zu günstigen Preisen veräußern.
  • Fachmarktzentren: Ansammlung verschiedener Fachmärkte oder fachmarkt-ähnlicher Geschäfte aus verschiedenen Branchen. Üblicherweise periphere Lage mit sehr guter Verkehrsanbindung und großem Parkplatzangebot..

Im Gegensatz zu anderen Nutzungsarten wie Wohn- oder Büroimmobilien sind die Bau- und Objektqualität von Handelsimmobilien von geringerer Bedeutung, da die Ladeneinrichtungen, Fassadengestaltungen etc. üblicherweise vom Nutzer individuell gestaltet werden.2

Allerdings unterliegt die Entwicklung und Neuansiedlung von Retail-Immobilien in Deutschland Einschränkungen durch das geltende Baurecht.


  • 1 Vgl. Sailer, Erwin; Grabener, Henning J.; Matzen, Ulf (Hrsg.) (2014): Immobilien-Fachwissen von A-Z. Das Lexikon mit umfassenden Antworten und Erklärungen auf Fragen aus der Immobilienwirtschaft, 10 Aufl. Kiel, S. 487.
  • 2 Vgl. Rottke, Nico B. (2011): Immobilienarten. In: Rottke, Nico B.; Thomas, Matthias: Immobilienwirtschaftslehre Band I. Management, Köln, S. 148-149.
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: 11/21/2019