Refinanzierung

Die Refinanzierung ist die Generierung von Liquidität bzw. Geldbeschaffung durch Geschäftsbanken, um anschließend Wirtschaft oder Privatpersonen Kredite zur Verfügung zu stellen.1 Die Refinanzierungskosten sind vom aktuellen Marktzins und den Liquiditätskosten einer Bank abhängig. Der Marktzins orientiert sich an dem aktuellen Zinsniveau für die festgelegte Zinsbindung eines Kredites. Das Zinsniveau wird von Referenzzinssätzen wie dem Euribor- oder Swapsatz abgeleitet. Als Liquiditätskosten werden die Zinsaufwendungen für die Beschaffung von Liquidität durch die Bank über die Dauer der Liquiditätszusagen für den jeweiligen Kredit bezeichnet. Dabei sind sie abhängig von der Art der Besicherung des Kredites und der Bonität der jeweiligen Bank. Je höher die Bonität der Bank und je höher die Besicherung des Kredites, desto geringer sind die Liquiditätskosten.2
Dieser Transformationsprozess ist einer der ureigenen Aufgaben von Banken. Sie treten als Mittler zwischen Kapitalangebot und –nachfrage auf (sog. Finanzintermediäre). Die Bank nimmt dabei Depositen auf und vergibt Kredite. Die Transformationsfunktionen einer Bank umfassen die Losgrößentransformation, die Fristentransformation und die Risikotransformation. Durch das erfolgreiche Zusammenspiel aller Funktionen gelingt es der Bank, langfristig liquide zu sein und Kredite zu vergeben. Die Losgrößentransformation besagt dabei, dass einzelne Einlagen von Sparern sowie die von der Bank herausgegebenen Kredite in ihrer Höhe nicht übereinstimmen müssen. Viel mehr betreibt die Bank eine Bildung von Pools der Einlagen sowie der Kredite und stellt diese gegenüber.
Im Rahmen der Fristentransformation steuert die Bank die Strukturen der Aktiv- und Passivseite ihrer Bilanz. Auf der Aktivseite befinden sich die ausgegebenen Kredite, während auf der Passivseite u.a. die Einlagen von Sparern stehen. In der Regel entsprechen die Fristigkeiten der einen, nicht der anderen Seite. Viel mehr werden üblicherweise langfristige Kredite vergeben, während Spareinlagen häufig mit relativ kurzer Frist gekündigt werden können. Durch die strukturierte Gestaltung der Aktiv- und Passivseite muss die Bank gewährleisten, dass zu keinem Zeitpunkt Liquiditäts- und Ertragsschwierigkeiten drohen.
Während die Rückzahlungsverpflichtungen der Kreditnehmer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden sind, verlangen die Sparer eine garantierte Rückzahlung ihrer Einlagen sowie eine angemessene Rendite. Im Rahmen der Risikotransformation muss die Bank durch Maßnahmen wie Portfoliobildung, Kreditüberwachung, Haftung durch Eigenkapital oder anreizkompatible Vertragsgestaltung die Unsicherheit von Kreditausfällen kompensieren, um eine jederzeitige Rückzahlung fälliger Einlagen gewährleisten zu können.3

Neben der Refinanzierung durch Spareinlagen oder der Kreditaufnahme über die Zentralbanken können Banken sich auch untereinander Geld zur Refinanzierung zur Verfügung stellen oder Anleihen auf dem Kapitalmarkt platzieren. Für die Refinanzierung von Immobilienkrediten geben sogenannte Hypothekenbanken Pfandbriefe aus, an denen sich Anleger durch Kauf an den Krediten der Bank beteiligen können.4

Eine Refinanzierung von Investitionen durch Unternehmen oder andere Investoren verfolgt ebenfalls das Ziel, ausgegebene Mittel zu günstigeren Konditionen wiederzubeschaffen, als durch die getätigte Investition vereinnahmt werden. Anlass einer Refinanzierung für Immobilienunternehmen ist häufig ein auslaufendes Darlehen, das für ein Objekt aufgenommen wurde, dessen Haltedauer länger als die ursprüngliche Kreditlaufzeit ist.
Zur Refinanzierung der Unternehmen kommen Banken, der Kapitalmarkt oder sonstige Kapitalgeber (z.B. Private Equity) infrage.
  • 1 Vgl. Deutsche Bundesbank (2015): Refinanzierung. Abrufbar im Internet. URL: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Glossareintraege/R/refinanzierung.html. Stand: 02.09.2015
  • 2 Vgl. Reutter, Georg; Jordan, Axel; Wulff, Eckhard (2013): Finanzierung von Immobilien-Projektentwicklungen. In: Schäfer, Jürgen; Conzen, Georg: Praxishandbuch der Immobilien-Projektentwicklung, 3. Aufl. München, S. 162-163.
  • 3 Vgl. Rottke, Nico B. (2011): Immobilienfinanzierung. In: Rottke, Nico B.; Thomas, Matthias: Immobilienwirtschaftslehre Band I. Management, Köln, S. 940-941.
  • 4 Vgl. Deutsche Bundesbank (2015): Refinanzierung. Abrufbar im Internet. URL: https://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Glossareintraege/R/refinanzierung.html. Stand: 02.09.2015
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: 12/9/2019