Notaranderkonto

Notaranderkonten werden zur vorübergehenden Verwahrung von Fremdgeldern im Rahmen von Immobilientransaktionen als Treuhandkonten benutzt. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Notar mit der Abwicklung der Kaufpreiszahlung von den Vertragsparteien beauftragt wird. In diesem Fall erhält er den Kaufpreis für die Immobilie vom Käufer und zahlt diesen auf das Anderkonto ein. Bis sämtliche Vertragspflichten aus dem Grundstückskaufvertrag erfüllt sind, verbleibt das Geld auf dem Anderkonto. Nach Erfüllung der Pflichten (z. B. Löschung der Vorlasten, Eintragung der Auflassungsvormerkung usw.) wird der Kaufpreis durch den Notar an den Verkäufer weitergeleitet.1

Im Rahmen der Kaufpreisabwicklung über ein Notaranderkonto verwaltet der Notar das Geld treuhänderisch. Dadurch wird für den Verkäufer sichergestellt, dass der Kaufpreis, nach Erfüllung aller Pflichten, bezahlt wird. Für den Käufer wird gewährleistet, dass der Kaufpreis nicht vor Eintritt der Fälligkeitsvoraussetzungen an den Verkäufer übermittelt wird. Diese Abwicklungsart kommt allerdings nur selten zum Einsatz, da für das Notaranderkonto zusätzliche Kosten anfallen und nach dem Berufsrecht der Notare eine Abwicklung hierüber nicht ohne Weiteres möglich ist.2
Banken verfügen in der Regel über eigene Bedingungen zur Führung von Anderkonten. So können beispielsweise Gläubiger mit ihren Forderungen gegenüber dem Inhaber eines Anderkontos nicht wegen persönlicher Schulden das Konto vollstrecken.3
Eine weitere Einsatzmöglichkeit eines Notaranderkontos besteht bei institutionellen Immobilienfonds. Hier kann zwischen Fondsmanager und Investor vereinbart werden, dass eine performanceabhängige Vergütung auf Basis einer Hurdle Rate (Zielrendite) bis zum Erreichen eines mehrjährigen Durchschnitts dieser Hurdle Rate im Sinne eines Clawback auf ein Notaranderkonto eingezahlt wird. Der Fondsmanager erhält die Vergütung erst dann ausgezahlt, wenn er im mehrjährigen Durchschnitt die Hurdle Rate erreicht hat. Dies ist eine Regelung, die den Fondsmanager im Sinne des Investors incentiviert, eine langfristig gute Fondsperformance zu erreichen.
  • 1 Vgl. Sailer, Erwin; Grabener, Henning J.; Matzen, Ulf (Hrsg.) (2014): Immobilien-Fachwissen von A-Z. Das Lexikon mit umfassenden Antworten und Erklärungen auf Fragen aus der Immobilienwirtschaft, 10 Aufl. Kiel, S. 68.
  • 2 Vgl. Bönker, Christian; Lailach, Martin (2009): Praxisleitfaden Immobilienrecht. Erwerb Finanzierung Bebauung und Nutzung, 2. Aufl. München, S. 75.
  • 3 Vgl. Springer Gabler Verlag (Herausgeber), Gabler Wirtschaftslexikon (2015): Anderkonto. Abrufbar im Internet. URL: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/anderkonto.html. Stand: 03.12.2015.
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: 12/9/2019